Chirurgische Praxis » Fachgebiete » Venenleiden/Krampfadern


Schwerpunkte:

  • Krampfaderoperationen
  • Krampfader-Lasertherapie
  • Verödung von Krampfadern
  • Diagnostik von Thrombosen
  • Behandlung offener Beine

Anatomie des Venensystems

Durch den menschlichen Körper verläuft ein weit verzweigtes Netz an Blutgefäßen zum Transport von Sauerstoff und Nährstoffen sowie Abbauprodukten des Stoffwechsels. In diesem Gefäßsystem pumpt das Herz das mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Arterien und von dort in die Organe und Gewebe. Die Venen transportieren das verbrauchte Blut zum Herzen zurück. Während das Herz als Pumpe für den Bluttransport in den Arterien funktioniert, benötigen die Venen zusätzliche Pumpmechanismen, um in aufrechter Körperhaltung der Schwerkraft entgegenzuwirken: Die Wadenmuskeln pressen bei Bewegung die Venen zusammen und drücken das Blut entgegen der Schwerkraft wieder zum Herzen. Dabei wirken die Venenklappen als Ventile und erlauben den Blutfluss nur in die eine Richtung. Somit wird das Zurückfließen des venösen Blutes in die Beine verhindert.

Das Venensystem an den Beinen besteht aus oberflächlichen und tiefen Venen. Das oberflächliche Venensystem leitet das Blut aus den oberen Hautschichten über Verbindungsvenen (sog. Perforansvenen) zu den tiefen Venen. Der Rücktransport des Blutes zum Herzen erfolgt über die tiefen Venen, welche von Muskeln umschlossen im Inneren nahe den Knochen liegen. Wenn erkrankte oberflächliche Venen durch eine Operation entfernt oder verschlossen werden, gleichen die tiefen Venen das aus, indem sie die erhöhte Blutmenge aufnehmen und abtransportieren.

Erkrankung der oberflächlichen Venen: Krampfadern

Schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, strömt das Blut in die Beine zurück und staut sich in den Venen, die sich durch den erhöhten Druck erweitern. Diese funktionsgestörten Venen werden als Krampfadern, Varizen oder insuffiziente Venen bezeichnet. Ausgeprägte Krampfadern führen zu Abtransportstörungen des venösen Blutes und können so zu den typischen Beschwerden und Komplikationen wie Schweregefühl, Schmerzen und Schwellungen bis hin zu offenen Wunden führen.

Die Behandlung von Krampfadern erfolgt oft aus ästhetischen Gründen, ist aber in vielen Fällen auch zur Beseitigung von Symptomen oder zur Verhinderung von Komplikationen medizinisch ratsam.

Therapie

Basisbehandlung venöser Erkrankungen ist die Kompressionstherapie. Dadurch beschleunigt sich der venöse Blutrückfluss und geschwollene Beine werden wieder schlank, Komplikationen können meist vermieden werden. Da sich einmal erweiterte Venen nicht wieder erholen können, muss die Kompressionstherapie lebenslang angewandt werden oder eine Behandlung, die die erweiterten Venen ausschaltet, durchgeführt werden. Diese Behandlungen beheben die Ursache der Erkrankung und behandeln nicht nur die Symptome:

Krampfaderoperation:
Standardoperation bei Krampfadern ist die sog. Stripping-OP. Dabei wird die Hauptkrampfader mit einer Sonde vollständig entfernt. Neben jeweils einem kleinen Schnitt in der Leiste und am Unterschenkel werden ergänzend über weitere kleine Hilfsschnitte die übrigen Krampfadern entfernt. Der Eingriff erfolgt in Narkose stationär oder ambulant. Die Ergebnisse sind funktionell gut. Der Rückfluss des Blutes zum Herzen wird meist dauerhaft verbessert. Kosmetisch störende kleinere Krampfadern können sich aber immer wieder bilden.
Nachteile sind ein Arbeitsausfall von meist 3-4 Wochen, kleine sichtbare Narben und in bis zu 15% eine Nervenverletzung mit nur teilweise rückbildbaren Gefühlsstörungen an einem Hautareal des Fußes. Mehr oder weniger ausgeprägte Blutergüsse werden meist folgenlos in einigen Wochen vom Körper abgebaut. Ein Kompressionsstrumpf sollte für 6 Wo nach der OP getragen werden.

Minimal-invasive Lasertherapie: (Endoluminale endovaskuläre Lasertherapie "ELVeS Radial")
Die Laserbehandlung von Krampfadern trägt in besonderem Maße dem Wunsch nach einer schonenden, kosmetisch optimalen Behandlungsmethode Rechnung. Über eine Punktionsnadel wird die Lasersonde in die Krampfader eingeführt und unter Ultraschallkontrolle regelrecht positioniert. Sobald die per Infusion eingebrachte Lokalanästhesie (sog. Tumeszenztechnik) wirkt, wird die Laserfaser langsam zurückgezogen und die erkrankte Vene durch die Ernergie des Laserlichtes von innen "verschweißt". Die durch die Laserenergie induzierte irreversible thermische Schädigung führt zu einem kompletten Verschluss der behandelten Vene, was den krankhaften Rückfluss des venösen Blutes unterbindet. Dabei wird die Energiemenge des Laserlichtes so genau dosiert, dass das umliegende Gewebe nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Krampfader muss nicht entfernt werden, da die Vene durch körpereigene Prozesse abgebaut bzw. in Bindegewebe umgebaut wird. Bis auf die kleine Punktionsstelle entstehen keinerlei Narben. Kleinere Seitenäste werden b. Bdf. ergänzend verödet (s.u.). Der Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung. Eine Krankschreibung ist, wenn überhaupt, nur für wenige Tage erforderlich. Ein Kompressionsstrumpf ist nur für 1-2 Wo erforderlich. Leider übernimmt bisher nur ein Teil der gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten.

Sklerosierung (Verödung) von Krampfadern:
Die Verödung von Krampfadern erfolgt durch Injektion des Verödungsmittels Polidocanol direkt in die Vene. Bei kleinen Krampfadern wird dabei das Verödungsmittel in flüssiger Form injiziert, bei größerem Gefäßdurchmesser wird das Verödungsmittel mit Luft zu einem Schaum gemischt und dann in die Krampfader gespritzt. Durch die Aktivierung des Immunsystems kommt es zu einer Entzündungsreaktion im Bereich der verödeten Vene, die dann zum Abbau der Krampfader führt. Vorübergehend können leichte Schmerzen und selten auch Pigmentstörungen der Haut auftreten. Je nach Ausmaß der Krampfadern erfolgt die Behandlung in einer oder mehrerer Sitzungen und zieht keinen Arbeitsausfall nach sich. Eine Betäubung ist nicht erforderlich. Ein Kompressionsstrumpf sollte bis 1 Wo nach letzter Injektion getragen werden. Die Erfolgsraten sind insbesondere bei größeren Krampfadern geringer als bei Operation oder Lasertherapie, man kann allerdings die Verödung beliebig oft wiederholen.

Erkrankung der tiefen Venen: Thrombose

Eine Erkrankung des tiefen Venensystems bedeutet eine erhebliche Störung des Blutrückflusses. Diese Venen können bei einem Ausfall das Blut nicht umleiten, was langfristig zu einer chronischen venösen Erkrankung führt. Blutgerinnsel der tiefen Venen bezeichnet man als Thrombosen. Die gefürchtetste Komplikation ist die Lungenembolie, wobei das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom in eine Lungenarterie gelangt und diese verstopfen kann. Eine weitere Komplikation von Thrombosen kann die Zerstörung der Venenklappen oder die fehlende Auflösung des Gerinnsels sein, was zu einer dauerhaften Störung des Blutrückflusses, dem sog. postthrombotischen Syndrom, führen kann.

Alle Krankheitsbilder der oberflächlichen und tiefen Venen führen unbehandelt zur chronisch venösen Insuffizienz (CVI). In deren Verlauf kann es von einer anfänglichen Schwellneigung der Beine über Hautverfärbungen schließlich zum offenen Bein (Ulcus cruris venosum) kommen.


Chirurgische Praxis Hofgeismar